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Rundbrief Bürgerbeteiligung I/2000

Bürgerforum Boxhagener Platz erprobt Open-Space-Verfahren – Kaffeepausen für die Quartiersentwicklung (1/2)

Ende November 1999 fand in Berlin-Friedrichshain das »Bürgerforum Boxhagener Platz« statt. Repräsentativ ausgewählte BewohnerInnen diskutierten an zwei Tagen in einem Open Space die Perspektiven und Zielstellungen für ihr Quartier. Es entstanden daraus eine umfangreiche Vorschlagssammlung und einige aktive Arbeitsgruppen.

Anlass und Hintergrund
Am Boxhagener Platz, einem dicht besiedelten innerstädtischen Altbaugebiet mit Plattenbauten entlang der Frankfurter Allee, wurde wie in 15 anderen Gebieten in Berlin im Juni 1999 ein Quartiersmanagement eingerichtet. Als Ziel werden in Vernetzung mit vorhandenen Initiativen und Einrichtungen aus dem Gebiet heraus Konzepte und Maßnahmen entwickelt, welche u.a. zur Attraktivitätssteigerung im Wohnumfeld, zur Steigerung von Erwerbschancen, zur Verbesserung der Identifikation mit dem Viertel und zur Minderung der Fluktuation beitragen. Mit der Einführung wurden in einer aktivierenden Befragung Defizite und Chancen erfasst und in Bewohnerversammlungen zu ersten Handlungsansätzen gebündelt. Als charakteristisch stellte sich dabei die durch die Umzugsbewegungen der letzten Jahren entstandene Polarisierung unterschiedlicher Bewohnergruppen heraus. Neben alteingesessenen Arbeiterhaushalten, von denen viele im Zuge des wendebedingten Abbaus großer Industriebetriebe ihre Arbeit verloren hatten, gesellten sich zunächst Hausbesetzergruppen und neuerdings auch viele Studentenhaushalte.

Mit einem Bürgerforum sollten die verschiedenen Perspektiven zusammengefasst und die Gruppen in einen Dialog gebracht werden. Hierzu ergänzten wir das Open-Space-Verfahren um eine repräsentative Auswahl der Teilnehmenden, damit nicht nur die sowieso engagierten Vertreter ausgeprägter Interessengruppen zu Wort kommen sollten.

Vorbereitung und Teilnehmergewinnung
Insgesamt waren etwa 900 Haushalte in einem repräsentativen Verfahren angeschrieben worden. Ergänzend zu dieser schriftlichen Einladung wurden in Haustürgesprächen ausgewählte Haushalte persönlich über das Anliegen der Veranstaltung informiert sowie in Presseberichten und an unserem Marktstand auf die Veranstaltung hingewiesen.

Zunächst verlief die erwünschte schriftliche Anmeldung sehr schleppend, so daß wir noch wenige Tage vor der Veranstaltung die Teilnehmerzahl kaum einschätzen konnten. Bis zum Vortag hatten sich 74 Personen angemeldet, wobei dann tatsächlich 56 Anwohner und Gewerbetreibende auch erschienen.

Im Ergebnis sind mit dieser Vorgehensweise Teilnehmende aus »allen Ecken« des Quartiers gewonnen worden und es ergab sich ein weites Spektrum hinsichtlich Alter und Beruf. Einige haben nach eigenem Bekunden noch nie oder seit langem nicht mehr an einer öffentlichen Veranstaltung teilgenommen. Allerdings erhielten wir besonders viele Absagen von Menschen über 60 Jahren, und Jugendliche unter 20 Jahren wurden nicht erreicht.

Die Veranstaltung
Das »Bürgerforum Boxhagener Platz« begann am Sonnabend, 21. November um 13.00 Uhr mit der Begrüßung durch Hajo Bergandt von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Umweltschutz und Technologie und Michael Stiefel vom Quartiersmanagement. Anschließend führte Bettina Klassen (Iabos Organisationsentwicklung) in den Open Space ein, erklärte die Spielregeln für diese zwei Tage und eröffnete die noch leere Tagesordnung. Jeder, der über eine bestimmte Fragestellung zum Oberthema »Leben im Boxhagener Kiez« reden wollte, konnte diese im Tagungsplan in eine der anderthalbstündigen Zeiteinheiten eintragen. Schnell füllte sich die Pinnwand mit ganz unterschiedlichen Themen. In 13 Arbeitsgruppen wurde anschließend – ohne Moderator – über das KnowHow älterer Arbeitsloser, die Grünflächensituation, Mietenentwicklung und das ärgerliche Hundeproblem rund um den Boxhagener Platz engagiert diskutiert. Während der Arbeit in den Gruppen protokollierte jeweils ein Teilnehmer die Diskussion. Diese handschriftlichen Protokolle brachte das Veranstaltungsteam in eine lesbare Form und ergänzte sie mit einigen Fotos. Bei manchen Themen wurde so intensiv gearbeitet, dass man gelegentlich an den Zeitrahmen erinnern musste. Auch beim abendlichen Buffet konnten einige nicht von den zuvor diskutierten Themen lassen.

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