Rundbrief Bürgerbeteiligung I/2000
Bürgerforum Boxhagener Platz erprobt Open-Space-Verfahren – Kaffeepausen für die Quartiersentwicklung (2/2)
Am Sonntag ging es um 10.00 Uhr weiter. Ebenso engagiert wie am Vortag wurden die Themen der selbst aufgestellten Tagesordnung bearbeitet. Heftig ging es in einigen Runden, z.B. zur Verschmutzung von Fassaden zu. Ob Graffiti nun Kunst oder Schmiererei sei, einig wurde man sich nicht – und dennoch konnten einige Vorschläge für den Umgang gemeinsam erarbeitet werden. Auch das leidige Hundeproblem schlug hohe Wellen, besonders da einige Wochen zuvor ein Junge auf der Flucht vor einem großen Hund vor ein Auto gelaufen war und tödlich verunglückte.
Am Sonntag Nachmittag trafen sich alle Teilnehmer zu den so genannten Abschlussnachrichten. Hier wurden die Diskussionen zusammengefasst und erste Vereinbarungen getroffen. Viele äußerten den Wunsch, die Ergebnisse im Handlungskonzept des Quartiersmanagements wieder zu finden und selbst mit auf eine Bearbeitung durch die politischen Entscheidungsträger zu achten. Der Vorschlag, in einem halben Jahr ein Nachfolgetreffen zu organisieren, durch das jeder den Stand der Entwicklung und Umsetzung verfolgen kann, fand breite Zustimmung. Ein paar wollten an ihren Themen weiterführend arbeiten und gaben bereits einen ersten Termin bekannt.
Während der abschließenden Verlosung von Kino- und Einkaufsgutscheinen im Kiez, wurde die fertige Dokumentation in der Mitte aufgebaut. Für manche war die Neugier auf die gesammelten eigenen Ergebnisse stärker, als die Chance einen Preis zu gewinnen.
Was bisher geschah?
Vom Quartiersmanagement wurden die Ergebnisse in das Handlungskonzept für das Quartier eingearbeitet und dabei von einigen Teilnehmern redaktionell begleitet. Außerdem haben sich mittlerweile verschiedene Arbeitsgruppen, die während dem Bürgerforum entstanden sind, mit der konkreten Umsetzung der Vorschläge befasst. Einige Menschen fanden sich angeregt und schlossen sich an bereits bestehende Gruppen wie zum Beispiel die AG Kiezgrün oder die AG Verkehr an. Im April wird die AG Kiezgrün mit einer Pflanzaktion am Boxhagener Platz auf sich aufmerksam machen. Dabei möchten sie ein von den Hunden umgepflügtes Pflanzenbeet wieder herrichten.
Eine Gruppe möchte sich mit dem Informationsfluss im Quartier beschäftigen und diese vorerst durch schwarze Bretter präsent halten. Die schwarzen Bretter als Info- und Tauschforum sind nun als Prototyp im Einsatz und werden demnächst für interessierte lokale Einrichtungen und Projekte nachgefertigt.
Eine weitere Gruppe griff die Idee eines generationenübergreifenden Jugend-Kultur-Zentrums auf und hat begonnen, sich verschiedene Orte anzuschauen und ein Konzept zu erarbeiten. Allerdings ist die Runde mittlerweile eingeschlafen, da die Meinungen in der Umsetzung viel zu weit auseinander gingen.
Nicht jeder von diesen Bewohnern ist sofort nach dem Bürgerforum aktiv geworden, sondern manche erst zu Beginn des neuen Jahres. Und einige tun dies nicht zu bestimmten Themen, sondern kommen z.B. seitdem regelmäßig im Quartiersbüro vorbei, um über beobachtete Entwicklungen zu berichten oder andere Schritte mit uns zu diskutieren. Einer hat erst jetzt noch mal einen Anlauf gewagt und um Unterstützung bei der Einladung von weiteren Bürgern gebeten. Zu betonen ist, dass die Weiterarbeit im Anschluss an die Veranstaltung zwar erwünscht, jedoch nicht explizit von den Teilnehmenden gefordert wurde.
Einige Bemerkungen
Etwas fraglich erschien uns im Verlaufe der Vorbereitung, ob ein Open-Space-Verfahren, das bisher überwiegend im Rahmen von Unternehmen und Organisationen mit klaren Mitgliedschaftsbedingungen eingesetzt wurde, auch für einen Stadtteil in dem sich die Menschen überwiegend nicht kennen, einsetzbar sein würde. Im Ergebnis sind wir jedoch überzeugt, dass gerade bei allen unterschiedlichen Lebensstilen die verbindende gemeinsame tagtägliche Erfahrung mit einem bestimmten Gebiet, offensichtlich als tragfähiger Grund und Motiv für eine engagierte Zusammenarbeit dienen kann. Das Ausmaß des Engagements nach dem Bürgerforum hat selbst die Optimisten unter uns überrascht. Nach Aussage vieler Teilnehmer lag die Hauptmotivation darin, dass sie selbst bestimmen konnten worüber geredet wird und dieses auch ernst genommen wurde. Einige, die sich jetzt freiwillig für ihren Kiez engagieren, haben das vorher nicht getan.
Kontakt und Information
Michael Stiefel, Telefon (0 30) 28 38 55 05, E-Mail: kairosconsult( at )aol.com
ArGe Quartiersentwicklung Boxhagener Platz, Krossener Str. 9/10, D-10245 Berlin, Telefon (0 30) 29 49 25 01, Telefax (0 30) 29 49 21 36, qm( at )boxhagenerplatz.de, Internet: http://www.boxhagenerplatz.de
Die Dokumentation findet sich unter: http://www.boxhagenerplatz.de/aktuell/ausw_bf.htm
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Quartiersmanagement – Wundermittel der Stadtentwicklung? - Ralf Elsässer
10 Thesen für ein erfolgreiches Quartiersmanagement - Birgit Schmidt
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Blick über die Grenzen
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Projektberichte
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»Aktiv in Kirchdorf-Süd« – PRA in der Praxis - Michael Stiefel
Bürgerforum Boxhagener Platz erprobt Open-Space-Verfahren - Hans-Georg Rennert
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Gutachten erkundet »Bürgerbeteiligung in Köln« - Heidi Sinning/Gundis Bader
Bürgergutachten »Bürgeramt Hannover Süd-Ost« - Aulaprojekt in Lippstadt
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