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Rundbrief Bürgerbeteiligung I/2000

Anwohner-Selbsthilfe in der Quartiersentwicklung (1/2)

von Herbert Brand

Anwohner-Selbsthilfe kann auch ohne staatliche Förderung einen Beitrag zur nachhaltigen Stadtteilentwicklung leisten. Dem folgenden liegen 2 Jahre Erfahrungen des Autors in der Plattensiedlung Velten/Süd im Speckgürtel Berlins zu Grunde. Dort ist es gelungen, fehlende Freizeitinfrastruktur in Anwohner-Selbsthilfe zu bauen, verbunden mit ökologischen Aufwertungen. Die Projekte wurden – nach einer Anschubfinanzierung durch die Kommune – unterstützt durch Spenden und Leistungen von Privatpersonen und örtlichen Unternehmen.

Die Arbeit bedurfte neben einer geeigneten Grundausstattung (Personalstelle, Büro, Fahrzeug, Lager etc.) einer allgemein verständlichen, offenen und entwicklungsfähigen Konzeption. Dazu gehören auf Qualitätskriterien beruhende, stadtteilweite Beobachtungen und deren Auswertungen und regelmäßige, die öffentlichen Medien einbeziehende Öffentlichkeitsarbeit. Daneben spielten rechtzeitige, treffend aufbereitete Information über die Arbeit im Stadtteil für Aufbau und Pflege von Kontakten zu Akteuren im Stadtteil und zu Spendern und Unterstützern eine wesentliche Rolle. Nicht zuletzt beinhalteten die Selbsthilfeprojekte anschaulich-praktische Ideenwerkstätten und den Fähigkeiten der Adressatengruppe angemessene und mit ihr reflektierte Umsetzungen.

Die kommunikativen Strukturen der Arbeit im Stadtteil in Anwohner-Selbsthilfe waren der Dreh- und Angelpunkt. Nach Meinung des Autors waren sie das stützende Gerüst in einem Prozess, der von vielfältigen Leistungen abhängt, über die Initiator und Beteiligte zu Beginn nicht verfügen konnten, die sich – abhängig vom Verlauf – erst während der Arbeit erschließen ließen. Die Planung der Quartiersentwicklung ist daher offen und abhängig von kommunikationsorientierter Arbeit im Stadtteil.

Ziele
Die in Gang gekommenen Prozesse hatten zivilgesellschaftlichen Charakter und stärkten auch das politische Gemeinwesen. Diese Gesichtspunkte standen aber in der Praxis gegenüber den geäußerten, geplanten und verwirklichten Vorstellungen in der Anwohner-Selbsthilfe zurück. Erst unter diesen Voraussetzungen kamen sie zum Tragen.

Angestrebt wurde einerseits ein erlebnisreiches Wohnumfeld und eine stabilere ökologische Situation, andererseits soziale Prozesse im Stadtteil, die durch und mit den Selbshilfeprojekten in Gang gesetzt werden sollten. Der durch gesellschaftsweite Veränderungen ‚entwertete‘ Stadtteil sollte stabilisiert werden, ohne dass die angestrebte Aufwertung zu höheren Lebenshaltungskosten führen sollte.

Die persönlichen Arbeitsziele des Stadtteilarbeiters, wie entdeckte Kompetenzen der Anwohner und ihre hohe Identifikation mit dem Projektinhalt, aufgenommene, konstruktive Beziehung mit Anwohnern, mit lokalen Akteuren, der Stadtverwaltung, der Politik und Unternehmen, Verhandlungen zwischen ihnen etc. bildeten einen weiter gesteckten Zielrahmen.

Die Stimmungen, in denen Anwohner sich während der Selbsthilfe-Projekte befanden, gehören zu den konkreten Indikatoren, die der Steuerung der Arbeit dienten. Um prozess- und produktorientiert z.B. den Selbstbau einer Halfpipe zu steuern, galt es, sich durch den jeweiligen Arbeitsschritt und die Stimmung auf der Baustelle gleichzeitig leiten zu lassen.

Konzeptionelle Einbindung
Der Konzeptionsentwurf zeigte anhand von konkreten Beispielen die beabsichtigte prozess- und produktorientierte Arbeit im Stadtteil. Sie entsprachen dem vorab formulierten, gemeinsamen Nenner aller Beteiligten. Diese während der Bestandsaufnahme unter den Beteiligten erfragte Vorstellung stand als Teil des Entwurfes zur Diskussion. Er war offen, da er anlässlich der laufenden Fortschreibung durch Einwände oder durch Erfahrungen und Entwicklungen der Praxis hinterfragt und ggf. verändert werden konnte. Grundlage des Konzeptionsentwurfes war eine an der Anwohner-Selbsthilfe orientierte, räumliche und soziale Bestandsanalyse.
Ausgangspunkt für die Erstellung der Konzeption waren Erfahrungen, die während eines Vorlauf-Projektes gemacht werden konnten – die Anlage eines ersten Teils eines BMX-Parcours mit Steilkurven und Sprungschanze. Dabei waren bereits Spenden und Leistungen von Unternehmen und einzelnen Personen notwendig und zusätzlich zur Anschubfinanzierung akquiriert worden. Die konzipierte Stadtteilarbeit  beruhte dagegen nicht auf öffentlicher Förderung, sondern auf den Selbsthilfeleistungen der Anwohner und Spenden und Unterstützungen von anderen Seiten.

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