Rundbrief Bürgerbeteiligung I/2000
Anwohner-Selbsthilfe in der Quartiersentwicklung (2/2)
Bereiche der Anwohner-Selbsthilfe
Ausgangspunkt für die Arbeit im Stadtteil war eine Brachfläche, auf der Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene einen Sport- und Erlebnisbereich in Selbsthilfe erstellen. In Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren beteiligten sich darüber hinaus weitere Anwohnergruppen auf wohnungsnahen Freiflächen und in anderen Bereichen des Quartiers: Zusammen mit Schule und Schulpflegschaft Strukturen im Schulgarten und auf dem Schulhof, mit einer der Wohnungsgesellschaften beispielsweise Wohnwegbuchten (Aktionsflächen an Wohnwegen zwischen den Häusern). Die bereits erarbeiteten Vorschläge sollen in Mieterselbsthilfe umgesetzt werden.
Projektarbeit
In der Regel begannen Projekte mit Ideenwerkstätten, in denen die Realisierungschancen verschiedener Vorstellungen der Teilnehmer erarbeitet und danach Prioritäten gebildet wurden. Realisierungschancen waren von den Bauarbeiten ebenso abhängig wie von rechtlichen Absicherungen und der Finanzierung.
Mit den gemeinsamen Prioritäten gingen die Projektteilnehmer anschließend an die Öffentlichkeit, bemühten sich um Unterstützung bei Stadtverwaltung und Politik.
Einen entscheidenden Fortschritt machte beispielsweise das Halfpipe-Projekt durch die Nutzungsrechte, welche die Stadt den Teilnehmern für eine große Brache am Rande der Siedlung überließ sowie die Anschubfinanzierung.
Kooperation
Kooperationen sind oftmals das Ergebnis umfangreicher Kommunikation. Sie kamen während der Projektarbeit außer mit den Teilnehmern, lokalen Akteuren und Grundstückseigentümern auch mit Betrieben und Einzelpersonen zu Stande, die Material und/oder Arbeitsleistungen als Spende beisteuern. Die meisten Kooperationspartner beteiligten sich wiederholt. Dabei entstanden verbindliche Arbeitsbeziehungen, die auch spontane Kooperationen ermöglichten. Gelegentlich steuerten sie auch von sich aus etwas bei z.B. Bänke oder Blumen und Gehölze, ohne dass sie danach gefragt waren.
Realisierungsbedingungen
Die baurechtliche/-polizeiliche Absicherung und die Bauleitung übernahm die Stadtteilarbeit.
Halfpipe, BMX-Bahn und andere Bauwerke wurden nach geltenden Normungen gebaut und angelegt. Der TÜV hat sie abgenommen. Auflagen der Versicherung wurden fortlaufend überprüft und Verschleiß umgehend repariert.
Die große Brachfläche, die überwiegend von Jugendlichen und Kindern beplant und gestaltet wurde, ließ die Stadtteilarbeit per Antrag beim Bauordnungsamt als Spiel- und Sportfläche widmen.
Die Bauleitung umfasste sämtliche Arbeiten von der Zusammenstellung der Materialliste und dem Einkauf über die Organisation und Betreuung der konkreten Bauarbeiten einschließlich ihrer Moderation bis zur Pflege und Rückgabe der ausgeliehenen Baumaschinen und Geräte.
Öffentlichkeitsarbeit
Zu sämtlichen Projekten bzw. Bauabschnitten und den abschließenden ‚Einweihungen‘ wurde die lokale Presse eingeladen und informiert. In Konferenzen, Seminaren und bei anderen Gelegenheiten wurde die Stadtteilarbeit mit audio-visuellen Medien präsentiert. Eine Stadtteilzeitung eignete sich zur Information v. a. der Spender und Unterstützer. An der Erstellung der Medien waren Projektteilnehmer beteiligt.
Qualitätsentwicklung und Wirkungskontrolle
Lösungsorientiert evaluierte der Stadtteilarbeiter die Entwicklungen im Quartier anhand von Qualitätskriterien selbst, die sich auf Kommunikation und Beteiligungen an der Stadtteilarbeit richteten. Die Ergebnisse dienten der längerfristigen Bewertung und Steuerung der Arbeit. Daneben lenkten die Tagesreflexionen den kurzfristigen Einsatz von Ressourcen.
Mit einer Inhaltsanalyse der Beiträge der Lokalpresse über den Stadtteil erhielt die Arbeit im Stadtteil weitere Informationen zur Überprüfung: Entwicklungen und Meinungen aus Sicht Außenstehender.
Kontakt und Information:
Herbert Brand, E-Mail: her,brand@t-online.de
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