Rundbrief Bürgerbeteiligung I/2000
Eine soziale Innovation: Quartiersmanagement bei Wohnungsprivatisierung (1/3)
von Andreas Strunk
Der derzeitige Wohnungsmarkt befindet sich in einer gravierenden Umbruchphase. Der Staat zieht sich weitgehend aus dem Wohnungsmarkt zurück. Regulierende Eingriffe werden zurückgenommen, mehr Markt ist politisch gewollt. Wohnungen, die über den Sozialen Wohnungsbau finanziert worden sind, werden nun an Mieter und Kapitalanleger verkauft. Die Deregulierung im Wohnungsmarkt hat auch dazu geführt, dass die lokale Dynamik der Wohnungsversorgung mehr in den Mittelpunkt des Interesses geraten ist. Die Zusammenarbeit zwischen Wohnungswirtschaft und Sozialarbeit wird wichtiger. So beschäftigen sich zurzeit Professionelle beider Arbeitsbereiche mit so genannten »überforderten Nachbarschaften« und den Möglichkeiten ihrer Sanierung. Die Lebensqualität in den Wohnquartieren soll erhöht werden. Quartiersmanagement als Lösungsversuch wird diskutiert und erprobt. Für die Kombination von Wohnungsprivatisierung und Quartiersmanagement als integrierte Strategie zur umfassenden Sanierung »überforderter Nachbarschaft« gibt es bisher keine evaluierte Erfahrung. Hier besteht ein erheblicher Bedarf für innovatives Sozialmanagement.
Drei Firmen, die unterschiedliche Positionen auf dem Wohnungsmarkt vertreten, haben diesen Innovationsbedarf erkannt und ein Instrument geschaffen, das als Innovationstreiber für die Praxisentwicklung von Wohnungsprivatisierung plus Quartiersmanagement eingesetzt werden soll.
Diese Firmen sind BBT (Wohnungsprivatisierung), empirica (Wirtschaftsforschung) und GISA (Sozialarbeit). Gegründet wurde SozialWERT gGmbH als Fördergesellschaft für humane Wohnstrukturen.
SozialWERT gGmbH konzentriert sich auf Maßnahmen, die folgenden Zielen dienen:
- Entwicklung und Erprobung einer integrierten Technologie zur Sanierung abgewirtschafteter Quartiere, wobei »harte« Strategien (z.B. Gebäudesanierung),
- »ökonomische« Strategien (z.B. Eigentumserwerb und Wertschöpfung im Quartier) und »sanfte« Strategien (z.B. Bewohnerbeteiligung, Empowerment-Entwicklung) in praktischer Weise miteinander verknüpft werden müssen.
- Durchsetzung der integrierten Technologie in den Feldern Wohnungspolitik, Sozialpolitik, Wohnungsmarkt und Sozialmarkt.
Mit der Arbeit an der beschriebenen integrierten Technologie will SozialWERT gGmbH einen Beitrag leisten zur Entwicklung sozialer Innovationen. Die gesamte Innovations- und Technologielandschaft wird zu stark von technischen und wirtschaftlichen Interessen und Fertigkeiten geprägt. Es ist notwendig, dass mehr aktionsfähiges Wissen in sozialen Kontexten erworben und erprobt wird.
Zur Unterstützung des SozialWERT gGmbH-Projektes hat deshalb BBT einen einjährigen Forschungs- und Entwicklungsauftrag an die Hochschule für Sozialwesen der Hochschule für Sozialwesen Esslingen vergeben.
Neben der hier dargestellten Produktgruppe »Wohnungsprivatisierung plus Quartiersmanagement« bietet SozialWERT gGmbH noch Leistungen der Produktgruppe »Sozialarbeit im Auftrag von Wohnungsunternehmen« und Leistungen der Produktgruppe »Quartiersmanagement ohne Wohnungsprivatisierung« an.
Im Bereich der Produktgruppe »Wohnungsprivatisierung plus Quartiersmanagement« arbeitet SozialWERT gGmbH ausschließlich auf der strategischen Ebene. Das konkrete Quartiersmanagement wird von einem lokalen Träger angeboten.
Auf der strategischen Ebene arbeitet SozialWERT gGmbH mit sieben Instrumenten, die hier kurz dargestellt werden sollen.
Weitere Artikel in diesem Rundbrief:
Schwerpunkt Soziale Stadt
- Dr. Roland Bieber et al.
Quartiersmanagement – Wundermittel der Stadtentwicklung? - Ralf Elsässer
10 Thesen für ein erfolgreiches Quartiersmanagement - Birgit Schmidt
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Stadtteilmarketing Gorbitz - Cornelia Cremer
Integriertes Stadtteilmanagement Plattform Marzahn - Herbert Brand
Anwohner-Selbsthilfe in der Quartiersentwicklung - Projektgruppe Difu
Das Bund-Länder-Programm »Die Soziale Stadt« - Andreas Strunk
Eine soziale Innovation: Quartiersmanagement bei Wohnungsprivatisierung
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Blick über die Grenzen
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Projektberichte
- Barbara Kopf/Andreas Libera
»Aktiv in Kirchdorf-Süd« – PRA in der Praxis - Michael Stiefel
Bürgerforum Boxhagener Platz erprobt Open-Space-Verfahren - Hans-Georg Rennert
Zwischen Kiez und City – Ein Bündnis für mehr Beteiligung - Martin Rüttgers
Gutachten erkundet »Bürgerbeteiligung in Köln« - Heidi Sinning/Gundis Bader
Bürgergutachten »Bürgeramt Hannover Süd-Ost« - Aulaprojekt in Lippstadt
Dann bauen wir sie selbst - Petition für einen »Demokratiepfennig«


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