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Rundbrief Bürgerbeteiligung I/2001

Fast überall wo Tenever draufsteht, ist auch Beteiligung drin!

von Joachim Barloschky

Bei uns in Bremen – Tenever (eine typische Großwohnanlage der siebziger Jahre, also sozialer Brennpunkt und zugleich Heimat von 7000 Menschen; kinderreichster Stadtteil Bremens mit 70% Migranten) spielt »Beteiligung« eine große Rolle. So gibt es z.B. im Arbeitslosenzentrum oder Mütterzentrum nicht nur die selbstverständliche NutzerInnen – Beteiligung an Programm und Aktivitäten der Einrichtungen.

Sondern beim Plenum oder dem Arbeitslosen-Frühstück oder auch bei Seminaren und Beratungsgesprächen oder beim Klönschnack im Café tauchen immer wieder Bezüge zur Beteiligung an den Stadtteilangelegenheiten auf:

  • BewohnerInnen beteiligen sich an der Diskussion in der Stadtteilgruppe Tenever über Verbesserungsmaßnahmen in Tenever und machen ihre Vorschläge zur Sanierung des Quartiers
  • Es wird von Hausversammlungen berichtet, wo es um die Einrichtung einer Concierge geht oder um die Umgestaltung des Spielplatzes
  • BewohnerInnen sind empört über die drohende Schließung der Stadtteilbibliothek oder die Umwandlung der Sparkasse in Tenever in eine Automatenfiliale (besonders bitter für Sozialhilfeempfänger ohne Girokonto) und beteiligen sich an Unterschriftensammlungen und Aktionen
  • Viele haben mitgemacht bei der großen Picobello-Aktion in Tenever und das Arbeitslosenzentrum wurde gleich mit schick gemacht
  • Eltern (und Lehrer!) packen mit an, um ihre Schulhöfe attraktiver zu gestalten
  • Auf Seminaren des Arbeitslosenzentrum (in Kooperation mit dem Bewohnertreff) werden Pläne zur Sanierung Tenevers entworfen, denn Ideen sind viele vorhanden


In Tenever haben sich viele Beteiligungsstrukturen entwickelt, die es nicht nur »erlauben« seinen Unmut oder seine Unzufriedenheit zu artikulieren, sondern auch seine Vorstellungen und Vorschläge einzubringen. Und nicht nur einzubringen, sondern auch gemeinsam mit anderen zu beraten und weiterzuentwickeln. Und nicht nur weiterzuentwickeln, sondern auch noch umzusetzen; durch Hilfe anderer, aber auch durch eigenes Mitanpacken.

Ein Beispiel: Frau S. ist nicht einverstanden mit dem geplanten Abriss ihres Blockes. Sie möchte, dass ihr Hochhaus auch saniert wird, wie es für die meisten ab nächsten Jahr geplant ist.

Und Herr Z. hat eine Idee. Er möchte, dass mehr Sportangebote für die Kids zur Verfügung stehen.

Beide Gedanken können im vielfältigen Netzwerk Tenevers ihre Kreise ziehen. Man(n) und Frau können ihre Meinung bei den sozialen Einrichtungen (z.B. beim Mütterzentrum, dem Arbeitslosenplenum, in den Kindergärten, beim Frauengesundheitstreff oder den Jugendeinrichtungen) anbringen.

Zudem ist der Bewohnertreff – eine Selbstorganisation der Bewohnerschaft – Ansprechpartner. Hier werden alle Fragen der Bewohner behandelt und entsprechende Initiativen und Aktionen entwickelt.

Auf jeden Fall treffen sich alle, Frau S. und Herr Z. und die Vertreter der sozialen Einrichtungen (inklusive der dort aufgelaufenen Ideen, Meinungen, Stimmungen) und die Leute vom Bewohnertreff auf den Sitzungen der alle 6 Wochen tagenden Stadtteilgruppe Tenever. Teilnehmende sind auch: die Gewerbetreibenden, die Wohnungsgesellschaften, die sozialen Einrichtungen, die Politiker (Bürgerschafts (Landtag) – Abgeordnete und Beiratsvertreter) sowie die Vertreter der öffentlichen Verwaltung (Stadtplanungsamt, Ortsamt, Amt für Soziale Dienste, das AWS, Polizei, Stadtgrün). Und alle weiteren interessierten BewohnerInnen.

Seit nunmehr 10 Jahren wird in der Stadtteilgruppe Tenever über alle das Gemeinwesen betreffende Fragen gesprochen, Verbesserungsvorschläge und Projekte vorgestellt und im Konsens Prioritäten festgelegt und Mittel (zurzeit jährlich ca. 250.000 €) aus den Programmen »WiN – Wohnen in Nachbarschaften« / »Soziale Stadt« für einzelne Maßnahmen bewilligt.

Aber so weit sind wir noch nicht. Denn der gerade auf Bewohnerwunsch festgelegte erste Tagesordnungspunkt lautet: Aktuelle Fragen und Probleme. Da geht es am spannendsten zu:

Vom Kellereinbruch über Kürzungsmaßnahmen, von der Dreckecke bis zu Vorschlägen zur Verbesserung des ÖPNV oder Ideen und Informationen über die Tenever-Gala (mit der Verleihung des Goldenen Skyscrapers an besonders aktive Bewohner) oder soziale und bauliche Projekte.

Hier können auch Frau S. und Herr Z. ihre Meinung anbringen.

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