Rundbrief Bürgerbeteiligung I/2001
Neue Methodenbücher
Moderation ist alles
Dass die Politik durch Konsensgespräche ersetzt werde – das ist die Horrorvision manch eines konfliktorientierten Parteipolitikers unserer Tage. Und doch schleicht sich etwas in den politischen Alltag ein, das nach einem Paradigmenwechsel aussieht – statt sachferner Kontorversen unter Ausschluss des größten Teils der Bürger, der Versuch, durch frühzeitige Beteiligung von möglichst vielen Menschen Planungen und Entscheidungen schneller, ideenreicher, sachbezogener und nachhaltiger zu machen. Die Experimente der »lokalen Agenda 21« in vielen deutschen Kommunen sind Pionierarbeit zur Weiterentwicklung der Demokratie.
Das neue Buch aus der Werkstatt von TU WAS fasst die Erfahrungen zusammen, die die TU WAS-Mitarbeiter mit der Moderation von Agenda-Prozessen und in der Ausbildung von Agenda-Moderatoren gemacht haben. Es liefert eine ausgewogene Mischung aus Diskurs und Trainingselementen, die den spezifischen Ansatz von TU WAS deutlich macht: Der Moderator selbsorganisierter Prozesse ist eine neue Rolle im System, die sich deutlich von den Rollen unterscheidet, die bisher die führenden waren – Pädagogen, Umweltaktivisten, Politiker, Nicht Macher und Minipulatoren benötigt die Agenda 21, sondern Moderatoren!
Information und Bestellung:
Richard Häusler, Magdolna Schadt: Moderation ist alles. Die Zukunftstechnik für Agendaprozesse und kommunale Bürgebeteiligung, Bonn, Verlag des Wissensladens, 2000, ISBN 3-9802020-7-0, 176 Seiten, € 10,–
Weitere Infos beim Autor: Telefon (01 72) 8 33 23 62, E-Mail: Richard_haeusler( at )d2mail.de
Agenda 21 – Acht Schritte zur zukunftsfähigen Kommune
Das Handbuch in Form eines Sammelordners dient als ständiger Begleiter im Agendaprozess. Es gibt die Möglichkeit, den Agendaprozess auf die Gegebenheiten einer Gemeinde zuzuschneiden. Dabei werden direkte und alternative Wege zu einer erfolgreichen Lokalen Agenda 21, unabhängig davon, ob Sie interessierte/r BürgerIn, MitarbeiterIn der Verwaltung, Mitglied einer Partei oder VertreterIn einer Bürgerinitiative sind.
Die Acht beschriebenen Schritte sind: Start: Partner suchen und Initiativen starten; Ratsbeschluss: Die Lokale Agenda zur kommunalen Angelegenheit machen; Organisation: Arbeitsstrukturen und Abläufe gestalten; Bestandsaufnahme: Wie nachhaltig sind wir eigentlich; Auftakt: Für die Agenda werben und zur Beteiligung aufrufen; Ziele festlegen und Maßnahmen entwickeln; Ratsbeschluss: Das Lokale Agendaprogramm beschließen; Umsetzung: Die Lokale Agenda in der kommunalen Praxis leben.
Zu bestellen über den Buchhandel:
Klaus Breyer, Barbara Hemkes, Udo Schneidereit (Hrsg.): Agenda 21 – Acht Schritte zur zukunftsfähigen Kommune. ISBN: 3-931845-49-4
Praxisleitfaden für Bürgerbeteiligung in Städten und Gemeinden
Die Heinrich-Böll-Stiftung und die Zeitschrift AKP-Alternative Kommunalpolitik haben eine sehr übersichtliche Einführung »Bürgerbeteiligung in Städten und Gemeinden. Ein Praxisleitfaden für die Bürgerkommune« herausgegeben.
Autor ist Lars Holtkamp. Ausgehend vom Leitbild der Bürgerkommune werden zunächst neue Anforderungen, das politisch-administrative System und dann neue Anforderungen in ausgewählten kommunalen Politikfeldern (Umweltpolitik, kommunale Kriminalprävention, Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing, Altenpolitik, Jugendpolitik, sozial benachteiligte Stadtteile) dargestellt und beteiligungsfördernde Faktoren in einzelnen Politikfeldern herausgearbeitet.
Im zweiten Teil werden dann verschiedene mehr oder weniger bekannte Verfahren der Bürgerbeteiligung kurz vorgestellt und hinsichtlich ihrer spezifischen Eignung bewertet sowie Anregungen für die Förderung von BürgerInnen in der Mitgestalterrolle gegeben.
Zu beziehen bei: Lars Holtkamp: Bürgerbeteiligung in Städten und Gemeinden. Ein Praxisleitfaden für die Bürgerkommune, herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung, € 6.–
Planning for Real im Wrangelkiez
Planning for Real ist ein gemeinwesenorientiertes und mobilisierendes Beteiligungsverfahren zur Aktivierung der Bevölkerung. Grundlage bildet ein Modell des Stadtviertels aus Styropor, Pappe und Papier. Mit diesem Modell ziehen die InitiatorInnen durch das Stadtviertel, um es an öffentlichen Orten, vor der Post, an Haltestellen, in Kneipen oder Schulen vorzustellen.
Ziel ist es, ins Gespräch zu kommen über die Wohnsituation, über die Probleme des Stadtviertels und gemeinsame Wünsche und Anliegen. Zugleich werden so genannte Talentbögen verteilt, auf denen Fähigkeiten und Interessen (z.B. Gartenarbeit, Vorlesen, Umzugshilfe) als Angebot oder Nachfrage angekreuzt werden können. Daraus kann ein Tauschring entstehen oder sich ein Kreis von Personen bilden, die im Stadtteil gemeinsam etwas bewegen wollen.
Nächster Schritt ist eine Versammlung, bei der das Modell des Stadtviertels im Mittelpunkt steht. Mit bunten Vorschlagskarten können Veränderungswünsche auf dem Modell markiert werden: beispielsweise mit roten Karten zum Thema Verkehr, mit grünen für Grünanlagen, gelben für soziale Einrichtungen und grauen für Gebäude.Anschließend werden die Vorschläge gemeinsam nach Dringlichkeit und zeitlicher Möglichkeit sortiert und in einem Aktionsplan die Zuordnung von Verantwortlichkeiten und Fähigkeiten sichtbar gemacht.
Danach werden Arbeitsgruppen gebildet, die sich um die Umsetzung kümmern: Dabei wird das Prinzip »smal und soon« angestrebt, durch einfache Tätigkeiten, die Freude bringen, sollen die nächsten Schritte getan werden.
Die Entwicklung der Methode ist eng mit dem Namen Tony Gibson verbunden. In Deutschland haben vor allem das Technologie-Netzwerk Berlin e.V., Wiesenstraße 29, D-11357 Berlin, Telefon (0 30) 46 50 73 45, E-Mail: technet@t-online.de und das Kommunale Forum Wedding (gleiche Adresse) für die Verbreitung des Ansatzes gesorgt.
Das Nachbarschaftshaus CENTRUM e.V. hat die Methode gerade im Wrangelkiez in Berlin Kreuzberg erfolgreich eingesetzt. Der Wrangelkiez ist ein markantes Quartier im Bezirk Kreuzberg, in dem Menschen unterschiedlichster Herkunft, Bildung und kultureller Hintergründe auf engem Raum zusammenleben.
Das frühere Miteinander von älteren BewohnerInnen und StudentInnen, deutschen und nicht-deutschen MieterInnen, unterschiedlichen sozialen Kulturen, drohte in den letzten Jahren eher in ein Miteinander, manchmal sogar in ein Gegeneinander umzukippen. Vor diesem Hintergrund wurde das Projekt eines Quartiersmanagements gestartet. Dabei war man sich von vornherein darüber im Klaren, dass die Veränderung dieser Entwicklung nur mit den BewohnerInnen gemeinsam geplant werden kann.
In der nun vorliegenden Dokumentation »Planning for Real. Planung von unten im Wrangelkiez. Mobilisierendes Entwicklungsverfahren im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung« werden die einzelnen Schritte des Beteiligungs- und Aktivierungsverfahren von der Vorbereitung und Durchführung bis zu den Projektvorhaben und ersten Schritten zu ihrer Umsetzung detailliert dargestellt. Rund 400 BewohnerInnen haben sich aktiv beteiligt. Allein an den beiden letzten Veranstaltungen nahmen mehr als 100 Personen teil. Herausgekommen sind ganz konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Lebensqualität im Wrangelkiez, die teilweise schon umgesetzt sind, teilweise in neu eingerichteten Arbeitsgruppen weiter bearbeitet werden. Zugleich hat das Projekt ganz wesentlich zur Vernetzung und Bündelung verschiedener Gruppen, Organisationen und Initiativen im Kiez beigetragen.
Nähere Informationen: Nachbarschaftshaus CENTRUM e.V., Cuvrystr. 13/14, D-10997 Berlin, Telefon (0 30) 25 88 28 85
Leitfaden zur Konsensus-Konferenz
Die vor allen Dingen vom Dänischen Rat für Technikfolgenabschätzung entwickelte Methode der Konsensus-Konferenz ist als Bürgerbeteiligungsverfahren in Deutschland vergleichsweise unbekannt. Methodisch kann man sie als eine Art Mittelding zwischen den von Peter C. Dienel entwickelten Planungszellen sowie den Mediations- und Verhandlungsverfahren einstufen. Nachdem vor ein paar Jahren die Zeitschrift für Direkte Demokratie (vgl. Adrian Reinert: »Wie dänische Bürger Hight-Tech-Politik machen« in ZfDD, Nr. 39/298) ausführlicher darüber berichtete, ist es nun das Verdienst der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg einen Praxisorientierten Leitfaden von Simon Joss in deutscher Sprache herausgegeben zu haben. Die Einführung ist sehr übersichtlich gegliedert und gibt eine sehr gute Orientierung über das Modell. Außerdem enthält sie weiterführende Literaturhinweise.
Sie kann zum Preis von € 7,50 bei der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg, Industriestraße 5, D-70565 Stuttgart bestellt werden.
Umweltmediation in Theorie und Anwendung
Für alle, die regelmäßig an der Tagung »Modelle der lokalen Bürger(innen)beteiligung von Stiftung MITARBEIT und Evangelischer Akademie Loccum teilnehmen, sind Bettina Oppermann und Kerstin Langer keine Unbekannten. Sie haben dort schon mehrfach zu unterschiedlichen Aspekten der Moderation und Mediation referiert und Workshops angeleitet.
In der Publikationsreihe der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg ist nun ihr Leitfaden »Umweltmediation in Theorie und Anwendung« erschienen. Er beantwortet die Frage, was Mediation überhaupt ist, stellt Merkmale der Umweltmediation vor und gibt Durchführungshinweise für ihre Projektierung und Konzeptionierung sowie die Transferphase. In zwei Abschnitten werden »Erfolgs- und Qualitätsvoraussetzungen für Mediationsprojekte« sowie in »Kosten- und Nutzen des Einsatzes von Mediation« dargestellt. Im letzten Kapitel berichten die Autorinnen über das Praxisbeispiel »Runder Tisch – Interkommunales Gewerbegebiet Hechingen-Bodelshausen«. Checklisten, Hinweise auf Handbücher und Arbeitsanleitungen, Ansprechpersonen und interessante Adressen, weiterführende Literatur, Fallbeispiele und Praxiserfahrungen sowie ein Glossar mit wichtigen Begriffen der Mediation machen den Leitfaden zu einer ganz vorzüglichen Handreichung für alle, die sich mit Fragen der Umweltmediation befassen.
Information und Bestellung
Der Leitfaden ist erhältlich bei der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg, Industriestraße 5, D-70565 Stuttgart zum Preis von € 7,50.
Mehr Erfolg durch Teamarbeit
Die Leistungsfähigkeit eines Teams hängt weit gehend davon ab, wie gut die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Teammitgliedern funktioniert. Teamarbeit ist immer hoch gepriesen, doch in der Praxis bedeutet sie eine hochanspruchvolle Aufgabe. Der Audio Trainingsset (4 Kassetten) verschafft Einblick in die einzelnen Aspekte der Teamarbeit. Erfahren Sie, woran der Erfolg der Teamarbeit geknüpft ist und wie Sie ihn zusammen mit Ihrem Team erreichen!
Information und Bestellung
Für Initiativen und Vereine aus dem Non Profit Bereich ist der Set zum ermäßigten Preis von € 24,50 erhältlich statt € 49,–. Bitte bei der Bestellung Stichwort: Initiativpreis und Name der Initiative angeben.
Bestellung bei: study & train, Gesellschaft für Weiterbildung mbH, Leinenweberstr. 61 A, D-70567 Stuttgart, Telefon (07 11) 7 16 82 86
Weitere Artikel in diesem Rundbrief:
Bürgerbeteiligung konkret
- Joachim Barloschky
Fast überall wo Tenever draufsteht, ist auch Beteiligung drin! - Reinhard Sellnow
Bürgerbeteiligungsprojekt »Wiener Platz Forum« in München - Michael Heck
Saarlouis: Ein Bürgerentscheid findet nicht statt - Dr. Werner Heye/Dr. Matthias Dreyer
»Planspiel Kommunalpolitik«
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Studien und Erfahrungsberichte
- Frank Baumann und Lars Vogelsang
Partizipation braucht Bänke und Banken - Oliver Kuklinski
Verkehrsplanung mit Beteiligung von BürgerInnen - Simone Eberhardt und Torsten Witte
Prozessmanagement in der Quartiersentwicklung - Prof. Dr. Harald Hofmann
Zur Erfolgsquote von Bürgerbegehren
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Kurz berichtet
- Fünf Jahre Bürgerbüro Stadtentwicklung Hannover
- USable – Dritte Runde des Transatlantischen Ideenwettbewerbs
- Modelle der lokalen BürgerInnenbeteiligung
- Beratung von Organisationen: Eine Herausforderung für Freiwilligenagenturen
- »Gemeinsam handeln«
- Projektidee: Transparente Politik
- Methodenseminar für die Praxis Sozialer Arbeit im Gemeinwesen
- Von startup zu startsocial
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