Rundbrief Bürgerbeteiligung I/2001
»Planspiel Kommunalpolitik« – Ein Projekt zur Demokratievermittlung für junge Menschen (1/3)
von Dr. Werner Heye und Dr. Matthias Dreyer, Referat für Stadtentwicklung, Landeshauptstadt Hannover
Die Förderung der Teilhabe junger Menschen an demokratischen Prozessen hat bei den stadtentwicklungspolitischen Überlegungen in Hannover einen besonderen Stellenwert. Mit einem »Planspiel Kommunalpolitik« wurde hierzu ein Ansatz erprobt, mit dem Kinder und Jugendliche lokale Demokratie und Politik kennen lernen sollen. Mit dem Planspiel soll jungen Menschen vermittelt werden, dass sie ihre Lebensräume aktiv mitgestalten können und Demokratie Spaß machen kann.
Förderung der »Demokratischen Teilhabe« in Hannover
Die Stärkung und Förderung der »Demokratischen Teilhabe«, dass heißt der erweiterten Bürgerbeteiligung und des bürgerschaftlichen Engagements, ist eines von fünf Leitthemen des »Handlungsprogramms zur Stadtentwicklung 2001 – 2005« der Landeshauptstadt Hannover. In einem mehrstufigen Dialogprozess wurde unter Beteiligung sowohl von ExpertInnen von städtischen Einrichtungen, freier Träger, Institutionen, Vereinen oder anderen Organisationen als auch von engagierten Bürgerinnen und Bürgern hierzu ein Rahmenkonzept erarbeitet, in dem neben grundsätzlichen Fragestellungen insbesondere Handlungsperspektiven und Ansätze zur Förderung der Demokratischen Teilhabe aufgezeigt werden (vgl. den Beitrag von Kaiser/Heye/Dreyer 1999). Ziel des Leitthemas und der einzelnen Projektansätze ist es, verbesserte Rahmenbedingungen und Anknüpfungspunkte für die Beteiligung und das Engagement von BürgerInnen zu schaffen.
Als ein wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang erwies es sich, Kinder und Jugendliche möglichst frühzeitig für die verschiedenen Formen der Beteiligung auf kommunaler Ebene zu sensibilisieren und zu motivieren. Wenn es gelingen würde, bereits in frühen Jahren bei jungen Menschen das Interesse an lokalpolitischen Prozessen und an einem Engagement für das Gemeinwesen zu wecken, ist es umso wahrscheinlicher, dass sie sich auch in späteren Lebensphasen beteiligen und eine aktive Rolle sowie Verantwortung in kommunalen Planungs- und Entscheidungsprozessen übernehmen (vgl. hierzu den Überblick zum Thema Jugendbeteiligung in Kommunen in: Deutsches Jugendinstitut (Hrsg.) 1999).
Der Entwicklung von Handlungsansätzen zur Demokratievermittlung für Kinder und Jugendliche kommt deshalb im Rahmenkonzept »Demokratische Teilhabe« eine besondere Bedeutung zu. Mit dem Handlungsschwerpunkt »Lokale Demokratie und Schule« werden Projekte und Prozesse initiiert und unterstützt, mittels derer bei jungen Menschen das Interesse an demokratischen Prozessen sowie die Möglichkeiten und auch die Fähigkeiten zur Mitwirkung gestärkt werden sollen. Als zentrale Lernorte und Lebensräume bieten dabei Schulen wesentliche institutionelle Anknüpfungspunkte; Schulen geben – neben anderen Jugendeinrichtungen – einen Rahmen für die Vermittlung lokaler Demokratieprozesse. Sie sind Orte des demokratischen Lernens und der Einstellungsbildung.
Im Rahmen des Leitthemas »Demokratische Teilhabe« wurden unterschiedliche Ideen und Ansätze in Zusammenarbeit mit mehreren Schulen verschiedener Schulformen aufgegriffen und verfolgt, wie z.B. eine Zukunftswerkstatt zum Thema »Schule als sozialer Lebensraum und als Ort demokratischen Lebens«, ein schulfachübergreifendes Projekt im Rahmen der Umgestaltung eines Stadtplatzes oder die gemeinsame Erarbeitung einer »Altstadterkundung«. Mit einem »Planspiel Kommunalpolitik«, bei dem SchülerInnen in die Rolle von PolitikerInnen geschlüpft sind und eine »simulierte Bezirksratssitzung« vorbereitet und durchgeführt haben, wurde ein weiteres Projekt zur Demokratievermittlung an Schulen erprobt.
»Planspiel Kommunalpolitik«
Ziele:
Eine rein kognitive Vermittlung kommunalpolitischer Prozesse, Verfahren und Strukturen im Unterricht ist häufig zu abstrakt und stößt bei Schülerinnen und Schülern auf wenig Interesse. Der Lerneffekt bleibt begrenzt; Impulse, sich selbst einzubringen und zu engagieren, werden kaum gegeben. Oftmals fehlen SchülerInnen auch die erforderlichen Informations- und Wissensgrundlagen über demokratische Zusammenhänge in ihrem Umfeld.
Das »Planspiel Kommunalpolitik« wählt einen anderen Ansatzpunkt. SchülerInnen einer Schule schlüpfen in die Rolle von PolitikerInnen – in diesem Fall eines »Stadtbezirksrates« – und bereiten in möglichst enger Anlehnung an die Regeln und Verfahren der realen Bezirksratsarbeit im Rahmen des Unterrichts ausgewählte Themen vor und erstellen hierzu Anträge und Anfragen. Diese werden dann in einer »simulierten Bezirksratssitzung« beraten und entschieden. Die Schülerinnen und Schüler bearbeiten aktuelle politische Themen aus dem engeren Lebensumfeld und eignen sich in dieser spielerischen Form gleichzeitig Wissen über kommunalpolitische Strukturen, Abläufe und Zusammenhänge an.
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»Planspiel Kommunalpolitik«
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