Rundbrief Bürgerbeteiligung I/1999
Bundeswettbewerb »Regionen der Zukunft« (1/2)
von Brigitte Adam
Dieser Beitrag informiert über die Konzeption und die Teilnehmer des laufenden Bundeswettbewerbs »Regionen der Zukunft – regionale Agenden für eine nachhaltige Raum- und Siedlungsentwicklung«.
1. Der Bundeswettbewerb »Regionen der Zukunft«
Karte 1: Regionen der Zukunft – auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung
Der Wettbewerb »Regionen der Zukunft« wird vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) als »Modellvorhaben der Raumordnung« des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen (BMVBW) durchgeführt (vgl. Konzeption, Teilnehmer und Ablauf bei Adam, Huege 1998). Ohne Zweifel eröffnet die Abstraktion des Wettbewerbstitels ein weites Feld unterschiedlicher Vorstellungen von der Disziplin, um die es geht, und von dem Ziel, auf das die Teilnehmer zustreben. Eine erste Konkretisierung läßt sich aus dem Untertitel »regionale Agenden für eine nachhaltige Raum- und Siedlungsentwicklung« ableiten: Daran wird deutlich, daß es sich um räumliche Angelegenheiten handelt und daß der Prozeßdimension eine besondere Bedeutung beigemessen wird.
Weitere Konkretisierungen werden in diesem Beitrag zunächst über eine Skizzierung der Wettbewerbsaufgaben und der Wettbewerbskonzeption geliefert. Im zweiten Abschnitt wird etwas zu den Ausgangsbedingungen und Projekten der 26 Regionen gesagt, die sich aus 87 Bewerbungen heraus zur Teilnahme an dem Wettbewerb qualifiziert haben (vgl. Karte 1).
Die Aufgaben der 26 Wettbewerbsteilnehmer bestehen darin, bis zum Ziel des Wettbewerbs im Jahre 2000 innovative Ansätze einer nachhaltigen Raum- und Siedlungsentwicklung in den Regionen weiterzuentwickeln, zu etablieren und einzelne Projekte bereits umzusetzen (kombinierter Ideen- und Realisierungswettbewerb). Gefragt sind Projekte und Konzepte, die z.B. auf eine sparsame, verkehrsreduzierende Flächennutzung und einen besseren Freiraumschutz zielen, effizientere Material- oder Energieflüsse oder die Förderung innovativer, umweltorientierter Betriebe. Besondere Bedeutung wird wie gesagt der Ausgestaltung regionaler Kooperations- und Dialogprozesse beigemessen.
Zur Zeit befinden sich die Wettbewerbsteilnehmer an der Schnittstelle des Übergangs vom Ideen- zum Realisierungswettbewerb (vgl. Abb. 1). Etappenziel dieser Schnittstelle ist es, einzelne Projekte soweit zu konkretisieren, daß sie bis zur Weltkonferenz im Sommer 2000 umgesetzt und dort als nachahmenswerte Beispiele einer internationalen Fachöffentlichkeit präsentiert werden können. Solche kurzfristigen Ansätze sollen in langfristige Konzepte eingebettet werden.
Abb. 1: Etappen im Wettbewerb
Die regionalen Ansätze und Prozesse werden durch die Einbindung des Wettbewerbs in das BMVBW-Programm »Modellvorhaben der Raumordnung« (MORO) unterstützt, befördert und ausgewertet. Darüber hinaus geht es um die Entwicklung nachahmenswerter Beispiele, die sowohl als Impuls als auch als Korrektiv an Akteure in allen Regionen Deutschlands weitergegeben werden können. Die Wettbewerbsteilnehmer werden dazu von einer Projektgruppe im BBR und einer vom Bundesamt beauftragten Wettbewerbsagentur (IFOK) bis zum Ziel des Wettbewerbs fachlich und organisatorisch begleitet und unterstützt. Ihre Fortschritte werden von einer unabhängigen Jury etappenweise beobachtet und bewertet.
Es ist nichts Neues, im Rahmen des MORO-Programms regionale Kooperationsprozesse – interkommunale Kooperationen, Kooperationen zwischen Kommunen und Regionalplanung, aber auch zwischen öffentlichen und umsetzungsrelevanten privaten Akteuren – zu befördern und zu unterstützen. Dies geschieht beispielsweise durch die Bereitstellung der Prozeßmoderation, die wissenschaftliche Begleitung, aber auch durch die Organisation von Veranstaltungen, die als Plattform zum Erfahrungsaustausch zwischen unterschiedlichen Regionen und so dem »Voneinander-Lernen« dienen. Neu ist an dem Wettbewerb »Regionen der Zukunft« aber der Versuch über das Instrument »Wettbewerb« – über die Aufgaben und Ziele und Kriterien ebenso wie über die fachliche Begleitung – zusätzlich inhaltlich gestaltend und steuernd zu wirken; gleichwohl im Dialog mit den Regionen und ohne zu diktieren, wo es lang geht. Neu ist auch, daß es nicht allein um regionale Kooperationsprozesse geht, sondern ausdrücklich um deren Verknüpfung mit Dialogprozessen vor Ort, in die die Kommunen im Sinne der Lokalen Agenda 21 mit ihren Bürgerinnen und Bürgern treten sollen.
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