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Rundbrief Bürgerbeteiligung I/1999

Initiativen in der Korrespondenzregion: EXPO 2000 Sachsen-Anhalt (1/2)

von Ulrike Gisbier

Seit Mai des vergangenen Jahres gibt es das Initiativen-Büro der EXPO in Sachsen-Anhalt. Hintergrund der Initiativen-Arbeit in der Korrespondenzregion Dessau-Bitterfeld/Wolfen-Wittenberg sind Engagement und Visionen der Nichtregierungsorganisationen aus den Themengruppen Umwelt, Eine-Welt, Agenda-21, Frauen, Kinder und Jugendliche, Wohnen, Industrie, Kirchen und Kultur. Dahinter verbergen sich Initiativen zum Erhalt alter Industriebauten ebenso wie Naturschutzgruppen , Selbsthilfeinitiativen, politisch motivierte Interessengruppen etc. Will man eine Region nachhaltig entwickeln, so darf die Basis nicht ausgelassen werden.
Neue Zukunftskonzepte, die mit dem hohen Anspruch von Beteiligung aller gesellschaftlichen Kräfte erstellt wurden und werden, halten einer Prüfung nur dann stand, wenn Mitsprache authentisch und ehrlich organisiert ist. Im Klartext bedeutet dies: sowohl die Initiativen als auch PlanerInnen und PolitikerInnen müssen Beteiligung üben, andere Standpunkte ernst nehmen lernen. Dimensionen von Zeit und Arbeit müssen in Frage gestellt, die Fähigkeit zur Selbsthilfe der Initiativen muß insgesamt gestärkt werden. Allein das Postulat von der Möglichkeit einer Beteiligung ist keine eigentliche, gerechte Mitwirkungschance. Erst wenn die Menschen in den Gestaltungsprozessen dort abgeholt werden, wo sie sind, haben sie reale Möglichkeiten, im Gestaltungsprozeß Einfluß zu nehmen.

Zu den ca. 180 Initiativen, mit denen das Büro bisher in Kontakt steht gehören insbesondere Vereine, Bürgerinitiativen, Interessengruppen, Arbeitskreise, kirchliche und teilweise gewerkschaftliche Gemeinschaften.
Die Initiativen haben einen unterschiedlich großen Wirkungskreis. Sie agieren weniger im Stadtbezirk, oft stadtweit, regional und landesweit, selten bundes- und europaweit.

Interessant, weil besonders markant, ist, daß fast alle Initiativen Schwierigkeiten in der Finanzbeschaffung im allgemeinen und der Kofinanzierung von ABM-Stellen im besonderen angeben. Weitere Probleme werden in Defiziten der Öffentlichkeitsarbeit bzw. fehlender Lobby artikuliert. Diese beiden Grundprobleme führen dazu, daß Personal nur diskontinuierlich eingesetzt werden kann und infolgedessen qualitative Abstriche gemacht werden müssen. Diesen strukturell bedingten inneren Problemen stehen durch die gesellschaftliche Umwelt induzierte gegenüber. So werden die Zielgruppen der Initiativen als überlastet bezeichnet, ein großer Verwaltungsaufwand und bürokratische Hürden stellen hohe Anforderungen an professionelle Gestaltung der Arbeit.

Grundsätzlich können Initiativen in der Region auf zweierlei Wegen gefördert werden: zum einen durch aktive Mitarbeit in konkreten Projekte, Vorhaben und Arbeitskreisen und zum anderen durch direkte Beratung des Initiativen-Büros bezüglich spezieller Probleme.

Im ersten Jahr des Büros lag der Schwerpunkt auf frauenspezifischen Themen, die vor allem durch den Arbeitskreis SAFIR – Sachsen-Anhalt-Frauen-Initiativ-Runde – transportiert werden.
Zu den SAFIR-Frauen gehören Gleichstellungsbeauftragte, Frauen aus Initiativen, die in Projekten aller Themen insbesondere auf dem 2. Arbeitsmarkt und ehrenamtlich tätig sind, Unternehmerinnen, Verbandsfrauen, Gewerkschafterinnen und engagierte, einzelne Interessentinnen.

Ihre Ziele sind:

  • Verankerung des Themas Chancengleichheit im EXPO-Thema Mensch-Natur-Technik,
  • Selbstverständlichkeit von Frauenbeteiligung in EXPO-Projekten,
  • Kooperation und Vernetzung von Frauenprojekten zum Sichtbarmachen ihrer Eigenkreativität
  • Förderung nachhaltiger Projekte mit sozialen, kulturellen und künstlerischen regionalen Auswirkungen
  • Analyse der Gesamtsituation im Blickwinkel von weiblich und männlichen Interessen als strategische Grundlage von Projektentwicklungen.
  • Praktisch bedeutet dies, daß sich die SAFIR-Frauen sowohl querschnittsweise in verschiedenste Vorhaben einbringen und darin engagieren als auch eigene Projekte kreieren und entwickeln.


Das Projekt Buntes SHIA-Carré geht auf die Initiative des gleichnamigen Vereins SHIA e.V.– Selbsthilfegruppe Alleinerziehender zurück. Ziel ist es dabei, den Vereinszielen – der Förderung Alleinerziehender – durch Etablieren eigener gesellschaftlicher Strukturen auch im Alltag des Wohnen und Lebens eine adäquate Form zu verleihen.

Die Insassen erhielten durch das Projekt die Chance, gemeinsam mit anderen eine eigene Wohnwelt zu gestalten und darüber eine individuelle Identität sowohl im gemeinsamen Wohngebäude, als auch im Quartier zu entwickeln.

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