Rundbrief Bürgerbeteiligung II/1999
Der Stadtteil als Bezugsgröße für einen neuen Umgang mit der Stadt – Stadtteilforen in Tübingen (3/3)
Die Struktur der Foren selbst
Beide bestehenden Foren haben folgende vier Strukturelemente entwickelt:
a) Arbeitskreise
Die Arbeitskreise werden wechselnd zu verschiedenen Themen gebildet.
Im Stadtteilforum Lustnau sind dies beispielsweise derzeit:
- AK Dorfackerschule,
- AK Verkehr,
- AK Infrastruktur.Jeder AK benennt eine/n SprecherIn. Diese Sprecher sind gleichzeitig die Ansprechpartner für die Verwaltung.
b) Planungsgruppe
Die SprecherInnen der Arbeitsgruppen treffen sich mit der Koordinatorin in der sogenannten Planungsgruppe. Hier wird grundsätzlich über die weiteren Strategien der Arbeit beraten.
c) Plenum
Das Plenum tagt ca. viermal im Jahr. Es besteht aus der Gesamtheit der Arbeitskreise, wird aber öffentlich abgehalten, so daß es ständig offen ist für neu Dazukommende.
d) öffentliche Veranstaltungen
Zu Themen, die von besonderem öffentlichen Interesse und politischer Brisanz sind, werden öffentliche Veranstaltungen abgehalten, zu denen Verwaltung und Politiker eingeladen werden. Dies geschah in Lustnau, als die Grund- und Hauptschule zu eng zu werden drohte. Mit eigenen Erhebungen und Vorlage eigener Bedarfsberechnungen gelang es dem Stadtteilforum, die Verwaltung von der Notwendigkeit von Umbaumaßnahmen zu überzeugen.
Aus den Mitteilungen des Stadtteilforums im März 1996: »Wie das Stadtteilforum bereits im Dezember errechnet hatte, wird im nächsten Schuljahr ein weiterer Zug in der Dorfackerschule eingerichtet werden müssen ... Um ein weiteres Klassenzimmer zu schaffen, wird zur Zeit das Rektorat, das früher einmal Klassenzimmer war, wieder rückgebaut ... Es ist ein schöner Erfolg für das Stadtteilforum, daß durch Hinweise im Dezember in der »Bürgerinnenversammlung« Lustnau der Raummangel bereits frühzeitig erkannt und angegangen werden konnte.«
Stand der Dinge
Derzeit bestehen in Tübingen zwei Stadtteilforen, »Lustnau« seit 1995, das im Anschluß an die Auftaktveranstaltung gegründet wurde, und »Nord« seit Frühjahr 1997, das interessierte BürgerInnen aufgrund der Erfahrungen in Lustnau eigenständig initiierten. In zwei Stadtteilen gibt es Planungsgruppen, die sich in Richtung Stadtteilforen entwickeln könnten. Die beiden bestehenden Foren umfassen jeweils einen Kreis von 50 – 70 StadtteilbewohnerInnen.
Unterstützende Infrastruktur: BürgerBüro Tübingen
Die Stadtteilforen werden in ihrer Arbeit durch das BürgerBüro Tübingen unterstützt. Das BürgerBüro ist Anlaufstelle und Plattform für alle Formen bürgerschaftlichen Engagments in Tübingen. Dort sind die Moderatorinnen beschäftigt, die die Stadtteilforen bei ihrer Arbeit begleiten, außerdem stellt das BürgerBüro den Foren seine bürotechnische Infrastruktur zur Verfügung. Darüber hinaus unterhält das BürgerBüro eine Freiwilligen-Zentrale und Aktiv-Börse, die demnächst in einen Tauschring übergehen wird (Kurzbeschreibung in der Anlage). Die Stadt Tübingen trägt die Mietkosten für das BürgerBüro, die Personalkosten werden derzeit durch ein Landesprogramm Baden-Württembergs zur Förderung Bürgerschaftlichen Engagements getragen, soweit sie nicht aus Fördermitteln des Arbeitsamtes bestritten werden.
Weitere Artikel in diesem Rundbrief:
Theorie und Praxis
- U. Schwarz-Österreicher
Der Stadtteil als Bezugsgröße für einen neuen Umgang mit der Stadt – Stadtteilforen in Tübingen - Dr. Magdalena Kaiser/Dr. Werner Heye/Dr. Matthias Dreyer
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