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»Hochzeitsmoden und -bräuche« – Ein multikulturelles Fashion-Theater

Jugendliche zwischen 15 und 21 Jahren mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen kamen in diesem Projekt zusammen, um anhand von Hochzeitsmoden und -bräuchen andere Kulturen und den Wandel dieser Traditionen über verschiedene Generationen hinweg kennen zu lernen. Die Teilnehmer/innen wurden in enger Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern wie Schulen, Jugendeinrichtungen und Streetwork angesprochen. Türkei, Marokko, Russland, Israel, Deutschland und Indien sind einige der Länder, deren Hochzeitskulturen die Teilnehmer/innen durch Recherche, Interviews sowie durch kreative Arbeit über Collagen und Aufführungen kennenlernten. Das Projekt förderte interkulturelle und intergenerative Begegnungen, zeigte Gemeinsamkeiten und Unterschiede in einer zentralen kulturellen Tradition (Hochzeit) auf und regte zum Austausch darüber an.

Von September 2013 bis Juli 2014 führte die NeanderDiakonie in Ratingen mit 30 bis 40 Akteuren das Projekt »Hochzeitsmoden und -bräuche: ein multikulturelles Fashion-Theater« im Stadtteil Ratingen West durch. Ziel des Projektes war es, die Vielfalt der Kulturen und Generationen in Ratingen West zu erfassen, anzusprechen und zu aktivieren. Die Rückschau auf den Projektverlauf zeigt: Es ist gelungen, ganz unterschiedliche Menschen in das Vorhaben einzubeziehen und über einen längeren Zeitraum an das Projekt zu binden. Das Thema »Hochzeit« diente als universelles Symbol für den Wunsch nach zwischenmenschlicher Verbindung, da es weit über kulturelle Grenzen hinweg verankert ist.

Organisation

Die NeanderDiakonie übernimmt vielfältige soziale Aufgaben im Kreis Mettmann. Hierzu zählen Kinderund Jugendhilfe, Migrationsberatung, Suchtkrankenhilfe sowie ambulante und stationäre Pflege. Aktive Projektarbeit macht diese Arbeit lebendig und schafft einen effektiven und kreativen Zugang zu Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Kooperationspartner

Als Kooperationspartner waren unter anderem der Sozialdienst katholischer Frauen mit ihrer Beschäftigungsförderung »Rock und Rolli«, die Stadt Ratingen mit der Fachabteilung Integration und Soziales – insbesondere dem Fachbereich Bildung und Teilhabe und dem Jugendclub Ratingen West – sowie eine türkisch-islamische Gemeinde, ein jüdischer Kulturverein, eine griechische Gemeinde und ein tamilischer Kulturverein am Projekt beteiligt.

Vier Phasen: der Projektablauf

In der ersten Phase übernahmen die Projektleiterin und die Projektassistentin die Entwicklung des Konzeptes. Als Koordinierungsstab wirkten in regelmäßigen zeitlichen Abständen Mitarbeiterinnen der Stadt und eine Mitarbeiterin der NeanderDiakonie mit. Gemeinsam erfolgte die Zeitplanung. Es folgten Besprechungen mit Choreographen und der Leitung von »Rock und Rolli«, um möglichst rechtzeitig Material (Hochzeitskleider, Kostüme etc.) zu akquirieren. Damit verbunden waren Absprachen, Terminierung und verbindlichen Zusagen.

In der zweiten Phase erfolgte die Zusammenstellung von drei Teilnehmer/innen-Gruppen: An der Martin-Luther-King-Gesamtschule übernahmen Schüler/innen in einer Hochzeits-AG die Recherche zu verschiedenen Kulturen und Hochzeitsbräuchen. Parallel wurden im Hinblick auf zu führende Interviews Fragetechniken erarbeitet, erlernt und in Rollenspielen trainiert. Eine Theatergruppe übernahm die Entwicklung und Umsetzung eines Bühnenprogramms. Die Theatergruppe traf sich regelmäßig, mindesten einmal in der Woche, meist Sonntagnachmittag bis -abend. Eine Kunst- und Kreativgruppe bereitete eine Kunstausstellung zum Thema »Hochzeit der Kulturen« vor. Es wurden Entwürfe für Hochzeitsmoden erstellt, aber auch Collagen von (alten) Hochzeitsfotos und andere kreative Darstellungen rund um das Thema Hochzeitsfest angefertigt. Um die oben genannten Gruppen zusammenstellen zu können, wurde das Projekt im September 2013 im Freizeithaus in Ratingen West präsentiert.

In der dritten Phase begann die Hochzeits-AG mit ihrer Recherchearbeit und der Kontaktaufnahme zu Menschen aus anderen Kulturkreisen. Gut vorbereitet startete die Gruppe – aufgeteilt in Kleinstgruppen – mit der Durchführung von Interviews. Außerdem besuchten sie die Hochzeitsmesse in Düsseldorf und begannen die Kontaktaufnahme mit verschieden Migrantenvereinen und -gruppen (türkisch, russisch, tamilisch, jüdisch, griechisch). Die choreographische Arbeit zur Darstellung der Hochzeitsrituale aus den ausgewählten Ländern (Vietnam, Sri Lanka, Türkei, Russland, Griechenland, Polen, Israel,Deutschland) begann und wurde fortlaufend einstudiert. Außerdem erfolgte die Kontaktaufnahme zu einer Designerin für Absprachen über die Gestaltung von Flyern, Plakaten und Bühnenbild.

Die Theatergruppe startete mit den Proben unter Anleitung der Projektassistenz und der Choreographin. Dazu gehörte die Auswahl und Zusammenstellung der Musik aus den unterschiedlichen Kulturkreisen sowie die Auswahl und Anprobe der Kostüme. Parallel wurden die Aktivitäten fotografisch dokumentiert. Der Techniker des Freizeithauses West stand dem Projekt bei technischen Problemen und in Hinblick auf die technische Ausgestaltung engagiert zur Seite. Die beteiligten Migrantenvereine und Einzelpersonen wurden in dieser Phase in die Proben für die abschließende Aufführung einbezogen.

Ein von der LEG Wohnen zur Verfügung gestelltes, leer stehendes Ladenlokal wurde in der vierten Phase als Werbefläche für das Projekt hergerichtet. Zentral in Ratingen West gelegen, wurde die Dekoration dieser Ausstellungsfläche von der Projektleiterin zusammen mit engagierten ehrenamtlichen Helferinnen und Teilnehmer/innen übernommen. Ausgestellt wurden Hochzeitsrequisiten und Hochzeitsbekleidung anderer Kulturen (z.B. Kleider aus Sri Lanka). Eine Kunstausstellung von jungen Malern (jüdisch, türkisch, tamilisch, russisch) wurde in Ladenlokalen in Ratingen West ausgestellt.

Die Generalprobe mit allen Beteiligten auf der Bühne im Freizeithaus fand rund eine Woche vor der Aufführung statt. Trotz Fußball-WM (Spiel: Deutschland gegen USA) kamen zur Premiere mehr als 120 Zuschauer. Die jungen und alten Darsteller/innen spielten ihre Rollen mit dem dazugehörenden Lampenfieber selbstbewusst, professionell und empathisch. Eine Moderatorin führte durch die verschiedenen Länder, Sitten und Gebräuche. Jedes Land wurde durch eine Videopräsentation mit aufgezeichneten Interviews vorgestellt – zwischendurch ergänzt durch Live-Interviews mit Anwesenden aus unterschiedlichen Ländern. Die Darstellung der verschiedenen Kulturen auf der Bühne ergab ein buntes Bild aus Kostümen, Darsteller/innen, Vorführungen per Tanz oder Rollenspiel und Requisiten. Die jüdische Hochzeit wurde z.B. live von einer Geigenspielerin begleitet.

Bewertung

Die Projektverantwortlichen sind mit dem Ergebnis der Projektarbeit sehr zufrieden. Es ist der Projektleiterin gelungen, viele Menschen aus unterschiedlichen sozialen Milieus generationen- und kulturübergreifend in Kontakt zu bringen. Durch die hohe Beteiligung von Kooperationspartnern fand das Projekt eine breite Öffentlichkeit. Alle entsprechenden Fachämter der Kommune, Politik, Migrantenvereine sowie Verbände waren informiert und beteiligt. Die Kerngruppe der beteiligten Jugendlichen trifft sich auch weiterhin regelmäßig jeden Sonntag nachmittag und entwickelt neue kreative Ideen für weitere gemeinsame Aktionen. Die Anerkennung von offizieller Seite hat außerdem ihr Selbstbewusstsein gestärkt. Diese Gruppe bildet eine gute Basis für weitere Projekte und Aktionen im Sinne eines bürgerschaftlichen Engagements. Die Resonanz des Publikums war überwältigend. Darüber hinaus ist das Projekt ein Baustein zur Entwicklung eines positiven Stadtteilimages als multikulturelles Quartier.

Kontakt und weitere Informationen

NeanderDiakonie im Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann
Karen Holle
Angerstraße 11
40878 Ratingen
E-Mail: k.holle(at)diakonie-kreis-mettmann.de
Web: www.diakonie-kreis-mettmann.de

Ansprechpartner für das Programm »Werkstatt Vielfalt«

Björn Götz-Lappe & Timo Jaster
Stiftung Mitarbeit
Ellerstraße 67
53119 Bonn
Tel. (02 28) 6 04 24-12/-17
Fax. (02 28) 6 04 24-22
E-Mail:goetz-lappe(at)mitarbeit.de
jaster(at)mitarbeit.de