Projekt des Monats (10/2018)

»Wir gestalten unseren Schulweg« – Gemeinsam für ein buntes Viertel

Bei diesem Kreativprojekt verschönerten Kinder (im Alter von 10-12 Jahren) mit und ohne Fluchterfahrung aus einem Übergangswohnheim und einem Grundschulhort ihren täglichen Schulweg. An gemeinsamen Aktionsnachmittagen gestalteten die jungen Teilnehmer/innen den Vorgarten eines Bäckers, beflanzten Blumenkübel und Beete und bemalten Stromkästen. Bei einer Befragung von Nachbar/innen und Anwohner/innen holten die Kinder Feedback für ihre Verschönerungsaktionen ein. Auf einem Stadtplan, der zur Öffentlichkeitsarbeit für das Vorhaben beitrug, wurden die gestalteten Orte verzeichnet. Interessierte können so nun den aufgewerteten Weg selbst nachvollziehen. Bei einem Straßenfest im Stadtteil erhielt die Nachbarschaft einen Einblick in das Projekt und hatte die Möglichkeit zum direkten Austausch mit den Teilnehmer/innen. Das Vorhaben förderte die Auseinandersetzung der Kinder mit ihrem Stadtteil und das gegenseitige Kennenlernen in der Gruppe.

Ein grauer Stromkasten an der Straßenecke hier, ein vernachlässigtes Beet am Rande des Bürgersteigs dort: an welchen Stellen sie ihren Stadtteil schöner machen konnten, war den Kindern aus dem Übergangswohnheim Marienfelder Allee und dem Hort der Kiepert Grundschule in Berlin schnell klar. Denn ihr Schulweg führte sie täglich auch an den nicht so schönen Ecken im Quartier vorbei. Unter dem Motto »Wir gestalten unseren Schulweg« sollte dieser bunter, grüner und sauberer werden.

An gemeinsamen Aktionsnachmittagen von Juni bis Oktober 2018 konnten sich die Kinder mit und ohne Flucherfahrung – allesamt im Alter zwischen 10 und 12 Jahren – außerhalb der Schule besser kennen lernen. Sie setzten sich mit ihrer Nachbarschaft auseinander und lernten, ihr soziales Umfeld wertzuschätzen. Das Projekt leistete somit einen wertvollen Beitrag zu praktisch gelebter Integration. Vorurteile gegenüber der Bewohnerschaft des Übergangswohnheims konnten abgebaut werden und die kreativen und ökologischen Maßnahmen strahlten positiv auf die Nachbarschaft aus.

Die auf urbanes Gärtnern spezialisierte Organisation soulgardenberlin gUG übernahm die Projektleitung. Mit dem Internationalen Bund als Betreiber des Übergangswohnheims Marienfelder Allee und mit dem Verein »Leben in Marienfelde« (L.i.Ma. e.V.) als Betreiber des Horts der Kiepert-Grundschule, wurden die Aktionen gemeinsam durchgeführt.

Bunte Aktionen

Den Projektauftakt bildete das Frühlingsfest vor dem Übergangswohnheim in der Marienfelder Allee, bei dem die jungen Teilnehmer/innen gleich gestalterisch aktiv wurden. Vor dem Wohnheim bepflanzten sie Blumenkübel und trugen damit zur Aufwertung des Wohnumfelds der dort untergebrachten Menschen bei. Im weiteren Verlauf trafen sich die Kinder regelmäßig, um unterschiedliche Gestaltungsaktionen für den Weg zwischen dem Wohnheim und der Grundschule zu planen und in die Tat umzusetzen. So befreiten sie Wege, Beete und öffentliche Plätze in der Nachbarschaft von Abfall. Um sich gegenseitig kennenzulernen, beendeten die Kinder diesen ersten Aktionstag mit einem Picknick.

Vor einem Supermarkt führten die Kinder Interviews mit Anwohner/innen durch. Hierbei erhielten sie von den Menschen in der Nachbarschaft Anregungen für die geplanten Aktionen und sprachen mit ihnen darüber, wie sich der Stadtteil am besten verschönern lässt.

Insgesamt drei Stromkästen entlang des Weges bemalten die Kinder gemeinsam und brachten damit buchstäblich Farbe ins Leben der Anrainer/innen. Die Kreativeinsätze wurden jeweils durch Workshops zur Motiventwicklung mit der Künstlerin Jette Jacob-Bostanjoglo vorbereitet.

Mit Bepflanzungsaktionen widmeten sich die Kinder wiederum vernachlässigten Grünflächen und Beeten im Viertel. Sie bepflanzten eine Baumscheibe in der Nachbarschaft des Übergangswohnheims  und übernahmen die gärtnerische Gestaltung und Pflege eines Beetes vor einer lokalen Bäckerei. An einem der letzten Projekttermine im Herbst setzten sie Blumenzwiebeln und stellten damit sicher, dass auch im folgenden Jahr Ergebnisse ihrer Aufwertungsaktionen sichtbar sein werden.

Auch die ökologische Vielfalt und die Lebensqualität der tierischen Nachbarschaft nahmen die Kinder in den Blick. So bauten und bemalten sie mehrere Nistkästen, die sie anschließend entlang des Schulwegs an geeigneten Stellen aufhängten.

Gelungene Kooperationen und viel Unterstützung

Zusammen mit der Hortbetreuung und den Sozialarbeiter/innen des Übergangswohnheims koordinierten die Projektleitung eine kontinuierliche Pflege der gestalteten Orte zwischen den Aktionsnachmittagen und die Vorbereitung der noch anstehenden Termine. Die Kooperation zwischen Hort, Wohnheim und Projektteam wurde von allen Beteiligten als positiv, lösungsorientiert und kreativ bewertet. Trotz des hohen Planungsaufwandes und der zusätzlichen Belastung der Mitarbeiter/innen des Horts und des Wohnheims konnte ein umfangreiches und abwechslungsreiches Programm zusammengestellt werden. Zudem gelang es, Anrainer des Schulweges und Freiwillige aus einem Begegnungscafé für die logistische und ehrenamtliche Unterstützung einzelner Projektaktivitäten, wie z.B. für den  Nistkastenbau, zu gewinnen.

Veränderungen gegenüber der Planung

Einzelne Änderungen gegenüber der ursprünglichen Projektplanung ergaben sich aus genehmigungsrechtlichen Gründen, da die Verschönerungsaktionen der Kinder im öffentlichen Raum stattfanden und insbesondere Objekte wie z.B. Versorgungskästen nur dann umgestaltet werden konnten, wenn eine entsprechende Erlaubnis der Eigentümer/innen vorlag. Daher konnte der bevorzugte Kasten vor dem Übergangswohnheim nicht bemalt werden – die zuständige Immobilienverwaltung hatte keine Genehmigung erteilt. Ein Ersatz in Form eines zweiten Kastens entlang des Schulwegs war jedoch schnell gefunden.

Zunächst war geplant, mit den Kindern an den Aktionstagen »Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten« teilzunehmen, zu denen jährlich das Deutsche Kinderhilfswerk und der Verkehrsclub Deutschland aufrufen. Aus Kapazitätsgründen konnte dies leider nicht umgesetzt werden. Stattdessen nutzten die Projektverantwortlichen die Gelegenheit, das Projekt mit einem Stand auf dem Domagkstraßenfest im September 2018 der älteren und jüngeren Nachbarschaft vorzustellen. Eine Fotoausstellung gab einen Einblick in die Aktionen und es bestand die Möglichkeit zum direkten Austausch mit den teilnehmenden Schüler/innen. Zudem lud ein Barfußpfad zum Entdecken ein.

Erreichte Ziele und Wirkungen

»Wir gestalten unseren Schulweg« hat gezeigt, dass eine Zusammenarbeit zwischen sozialen Organisationen, Bildungseinrichtungen, öffentlichen Einrichtungen, Gewerbetreibenden und Nachbarn machbar ist, Spaß bereitet und hilft, Vorurteile zu überwinden. Die Kinder sind als Gruppe gut zusammengewachsen und haben über den gesamten Projektzeitraum sehr engagiert an den Aktivitäten teilgenommen. Sie haben Vertrauen in ihre eigene Kreativität gewonnen und schon selbst Vorschläge für weitere Aktionen gemacht. So haben sie z.B. bei der Zwiebelpflanzaktion im Stadtteil Pflanzkästen entdeckt, die sie in Zukunft gestalten wollen.

Mit Unterstützung eines Grafikers wurden die Aktionsorte der Kinder auf einem Stadtplan eingezeichnet, der nun im  Stadtteil für Interessierte ausliegt. Berliner/innen können so jetzt selbst auf dem verschönerten Schulweg wandeln.

Kontakt und weitere Informationen

soulgardenberlin gUG
Keya Choudhury
Erdmannstr. 13
10827 Berlin
Web:  www.soulgardenberlin.de
Mail: mail@soulgardenberlin.de

Fotos/Grafiken: Keya Choudhury, Markus Stumpf

Weitere Förderer: Bezirksjugendfond Tempelhof-Schöneberg, BENN – Berlin Entwickelt Neue Nachbarschaften Marienfelde

Ansprechpartner für das Programm »Werkstatt Vielfalt«

Björn Götz-Lappe & Timo Jaster
Stiftung Mitarbeit
Ellerstraße 67
53119 Bonn
Tel. (02 28) 6 04 24-12/-17
Fax. (02 28) 6 04 24-22
E-Mail:goetz-lappe(at)mitarbeit.de
jaster(at)mitarbeit.de