mitarbeiten (2/2010)

Runde Tische erfolgreich durchführen

Dialogorientierte Beteiligungsverfahren werden für die Konflikt- und Problemlösung politischer und gesellschaftlicher Herausforderungen immer wichtiger. In der öffentlichen Wahrnehmung steht das Modell des Runden Tisches für einen auf Konsens und Verständigung angelegten diskursiven Politikstil. Eine neue Studie beleuchtet die Funktionen und Erfolgsfaktoren Runder Tische. Ein Ergebnis: Runde Tische sichern den Aufbau von sozialem Kapital, steigern die Qualität öffentlicher Entscheidungen und stärken die demokratische Partizipation.

In Deutschland sind Runde Tische eng mit der friedlichen Revolution in der DDR und den ostdeutschen Bürgerbewegungen verbunden. Heute gibt es Runde Tische sowohl auf kommunaler als auch auf  Bundesebene. Die Autor/innen des Global Public Policy Institute (GPPi) verstehen das Modell als Organisationsform bürgerschaftlichen Engagements, bei dem die Teilnehmer/innen gleichberechtigt und kooperativ einen gemeinschaftlichen und ergebnisoffenen Diskurs über eine im Vorfeld abgestimmte Themenstellung führen. Dabei kommt der Auswahl der Teilnehmenden eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zu: Gelingt es nicht, alle relevanten Akteure für das jeweilige Thema gemeinsam an einen Tisch zu bringen, steht die Legitimation des Gremiums auf dem Spiel und es können keine für die Gesamtheit der Betroffenen verbindlichen Ergebnisse produziert werden. Um belastbare und von allen Beteiligten akzeptierte Ergebnisse zu erzielen, muss durch eine neutrale und methodenkompetente Moderation außerdem eine faire Prozessgestaltung gewährleistet sein.  

Grundlegender Zweck Runder Tische ist die Verständigung der Teilnehmer/innen. Darüber hinaus identifiziert die Studie vier weitere Ziele: Vernetzung, Beratung, Projektentwicklung und Vermittlung. Als Erfolgsfaktoren nennen die Autor/innen die Legitimation der Veranstalter und die frühzeitige Einbindung der Entscheidungsinstanzen vor Ort. Die Akzeptanz der Ergebnisse und möglicher Veränderungen steigt, wenn die später an der Umsetzung beteiligten Akteure schon an der Konzeption beteiligt sind.

Es empfiehlt sich, das Aufgabenspektrum auf Themenbereiche zu begrenzen, die auch tatsächlich bearbeitet werden können, und eine zeitliche Begrenzung der Arbeit vorzusehen. Auch die hohe Motivation der Teilnehmer/innen und ihre regelmäßige Teilnahme sind wichtige Faktoren des Gelingens.

Thomsen, Kristina/Steets, Julia/Nashat, Bidjan: Runde Tische erfolgreich durchführen. mitarbeiten.skript 05, Verlag Stiftung MITARBEIT, Bonn 2010, ISBN 978-3-941143-06-7, 48 S., 5,– €, zu beziehen über den Buchhandel oder www.mitarbeit.de